Pep Guardiola ist nur eine Episode

Die Zeichen stehen auf Abschied zwischen dem FC Bayern München und Pep Guardiola, was nicht wirklich überraschend kommt. Natürlich kann man es als Erfolg werten, wenn er zweimal die deutsche Meisterschaft mit dem FC Bayern München holt, allerdings würde ich hier nicht wie andere von einer Ära sprechen, die nun zu Ende geht. Für eine Ära waren die paar Jahre dann doch zu kurz und da gibt es sicherlich andere, die in dieses Muster mehr hineinpassen.

Mein Eindruck ist auch viel mehr, dass die letzten Jahre im Vergleich zu den Möglichkeiten, die ein FC Bayern hat, nicht so viel passiert ist und letztendlich konnte Guardiola Stand Mitte Dezember 2015 seinem Aufenthalt beim Rekordmeister noch keine Krone aufsetzen. Pokal….?! ja sicherlich, kann man holen und auch die Meisterschaft holt man nicht im Spaziergang. Aber eine derart mit Stars und guten Spielern gespickte Mannschaft hätte wohl auch ein ganz anderer Trainer zur Meisterschaft geführt und alles andere wäre wohl eine große Überraschung gewesen.

Er hat natürlich davon profitiert, dass er beim FC Barcelona schalten und walten konnte, wie er wollte und hat dadurch vom dort ebenfalls vorhandenen unheimlich großen Potenzial profitiert. Er war dort schon Spieler und hatte durch seine Erfolge dort eine sehr große Fangemeinde, die sicherlich ihm als Trainer ab der Saison 2008/9 alles Gute gewünscht hat und einen guten Einstand bereitet. Aber auch in Spanien bei der Zweiklassengesellschaft in dieser Zeit, wo es nur eine abwechselnde Regentschaft zwischen Real Madrid und Barcelona gab, ist es etwas anderes, als zum Beispiel mit einem mittelmäßigen Kader in der zweite Liga aufzusteigen. Die Erfolge relativieren sich also im Verhältnis zur Kaderstärke und so gesehen hat ihn die Welle des Erfolges immer auf den richtigen Weg geführt, er konnte sich hierbei auch als Trainer verbessern und hatte stets ein praktisch sorgenfreies Trainerleben.

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Immer nur für ein Jahr bei Barcelona zu unterschreiben, kann ich nur unterstützen. Ein Trainer ist immer nur abhängig von den Erfolgen der Mannschaft und kann schneller zu Ende gehen, als man denkt. Mit entsprechenden Klauseln im Vertrag hat das ja sogar Eintracht Frankfurts Trainer Armin Veh vor ein paar Jahren genauso gemacht, wobei ein Vergleich zwischen diesen beiden Übungsleitern nicht ganz passend wäre. So gab er dann auch Ende April bekannt, dass er den 2012 auslaufenden Vertrag nicht ein weiteres Mal verlängern wird und somit war klar, dass Pep Guardiola ein Jahr Auszeit nimmt und dann woanders unterschreibt.

Woanders heißt in diesem Falle beim FC Bayern München, hier löst er den überaus und auch wirklich als erfolgreich zu bezeichnenden Jupp Heynckes ab, der gerade diese Saison mit einem Triple beendet hat. In der Saison 2012/13 ließ „Don Jupp“ die Herzen aller Bayern-Fans höher schlagen, als er innerhalb einer Saison alle drei möglichen Titel holte – das waren also die deutsche Meisterschaft, der DFB-Pokal im Berliner Olympiastadion und der Gewinn der Championsleague. Mit dem Sieg in der Königsklasse erfüllte er sich selbst einen Traum und schrieb sich in die Geschichtsbücher ein. Gleichzeitig konnte er die Aufgabe für seinen Nachfolger nicht viel schwerer machen, denn mehr als das was Heynckes erreicht hat, geht praktisch nicht.

So also holte er für die meisten Beobachter nicht wirklich überraschend die Meisterschaft und den Pokal, auch die FIFA Klub WM hat er mit dem FC Bayern München geholt, aber die wollten eigentlich auch wieder die Königsklasse gewinnen und das war Guardiola nicht gegönnt – hier stand diesmal Real Madrid im Weg und so blieb nur DFB-Pokal und Meisterschaft. Ein Jahr später reichte es wieder nur zum Halbfinale, aber die deutsche Meisterschaft war auch dieses Jahr ein Selbstläufer. Im Pokal ist man gegen Borussia Dortmund im Elferschießen ausgeschieden, so blieb also nur die Meisterschaft im Jahr 2015 als Erfolg. In der aktuellen Saison ist man zumindestens wieder auf einem guten Weg, ob man aber am Ende wieder einbricht oder noch irgendwo ausscheidet, steht in den Sternen. Trotzdem muss man immer wieder sagen, dass der Gewinn der deutschen Meisterschaft keine Selbstverständlichkeit ist – lediglich in Relation zu dem finanziellen Aufwand, der betrieben worden ist kann man eine gewisse Erwartungshaltung Richtung dieses Minimalziels entwickeln. So gesehen hat er diese Erwartungen voll erfüllt, aber er war auch nicht der große Messias, der die Bayern auf eine mögliche nächste Stufe führt.

Pep
Pep Guardiola zieht es weg aus München

Der ganze Medienrummel, der von der Meldung zur Verpflichtung bis zur Vorstellung und dem ganzen Drumherum gemacht worden ist, war eigentlich ein bisschen viel des guten und wurden der Sache nicht gerecht. So denke ich hat er auch jede Menge guter Spieler mit auf den Weg bekommen, die vielleicht ein anderer Trainer nicht bekommen hätte und so bleibt es abzuwarten, wie der nächste Trainer ausgestattet wird. Das bezieht sich sowohl auf die Rückendeckung, die Pep Guardiola zweifelsfrei zu jeder Zeit hatte vom Vorstand und den Spielern – aber das bezieht sich auch auf neue Verpflichtungen, mit denen der neue Trainer seine Ideen verwirklichen kann. Jetzt aber wurden im Dezember schon von wichtigen Spielern die Verträge verlängert und so ein Zeichen der Kontinuität gesetzt. In jedem Falle besteht für den neutralen Zuschauer zumindest die Chance, dass die nächste Saison wieder etwas spannender wird oder man tritt den Beweis an, dass Guardiola kein Wunderheiler ist. Sondern dass auch andere Trainer mit relativer Leichtigkeit die Meisterschaft für den FC Bayern München holen können. Der FC Bayern München ist sozusagen Opfer der eigenen Stärke.

Der Rekordmeister hatte laut eigener Aussage von Pep Guardiola lange genug Zeit, um sich auf den neuen Umstand vorzubereiten. Nur die Öffentlichkeit bzw. die Fans und die Presse werden lange auf die Folter gespannt ob der zu erwartenden Entscheidung. So darf man auch schon ein paar Tage nach Verkündung der Vertragsbeendigung eine neue Verpflichtung auf der Trainerbank erwarten. Die Vöglein pfeifen ja schon einiges von den Dächern und so haben gut informierte Kreise schon diverse Gerüchte auf den Weg gebracht und einer von denen wird es dann wohl auch werden. Dann bleibt abzuwarten, wie es mit dem Bayern München weitergeht – im Normalfall dürfte sich nicht so viel ändern, weil bestimmte Mechanismen losgelöst sind von der Trainerperson, das kann in Ausnahmefällen ein Nachteil sein, in diesem Fall dürfte es aber von Vorteil sein. Und den ehemaligen Bayern-Trainer wird es wohl zu noch mehr Geld ziehen und somit wieder dem gleichen reichhaltigen Angebot an Spielern und noch mehr finanziellen Möglichkeiten. So macht man einen Trainer immer stärker, der nur noch von diesen Dingen profitiert und somit immer höher klettert auf der Karriereleiter. So funktioniert das Geschäft Fußball jetzt und in der Zukunft, immer und überall.

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