WM-Titel 2014 ist trotzdem keine Sensation

Der vierte Stern für Deutschland ist sicherlich eine sehr gute Leistung, das darf und muss man auch von allen Seiten anerkennen – aber der WM-Titel ist nun auch keine Sensation. Die wäre es, wenn ein Underdog eine große Überraschung geschafft hätte, wie zum Beispiel Belgien. Die Erwartungen waren schon vor dem Turnier da, das spiegelte sich nicht nur bei den Ansprachen vom Bundestrainer Joachim Löw wieder. Auch die Buchmacher sahen Deutschland im Grunde auch schon lange vor WM-Beginn unter den Großen Vier, vor dem Halbfinale gegen Brasilien war “Jogis Elf” die am meisten favorisierte bei Interwetten.

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Die Ausfälle von Neymar und Silva stürzten Brasilien ins mentale Unglückstal

Letztendlich haben Kleinigkeiten sich wie Puzzleteile aneinandergereiht und dieses berühmte “Glück des Tüchtigen” dürfte hier wohl am ehesten den Kern treffen, denn die Gelbe Karte für Thiago Silva im Spiel gegen Kolumbien, bei dem er den gegnerischen Torwart auf plumpe Art und Weise am Abschlag probiert zu hindern, war so unnötig wie dumm und das wurde mit der Sperre nach der zweiten auch bestraft. Dazu das grobe Foul an Neymar und das daraus resultierende WM-Aus für den Superstar taten ihr übriges bei, die Selecao ins mentale Chaos zu stürzen. Aber auch mit den beiden wäre es schwer geworden gegen ein psychisch wie physisch enorm starkes Deutschland, das mit zunehmender Turnierdauer immer sicherer wurde und jeder seine Position gefunden hat oder sie endlich einnehmen durfte.

Der Erfolg hat auch die Väter Jürgen Klinsmann und Matthias Sammer

Das von Jürgen Klinsmann angeschobene Projekt, nachdem Fußballdeutschland am Boden lag, hatte auch mit Matthias Sammer einen kompetenten Mann für die Nachwuchsarbeit und die Verpflichtung von Jogi Löw war nur die logische Konsequenz aus den angestrebten Veränderungen. Ein weiteres Mosaiksteinchen war aber gewiss auch die gesamte Umstrukturierung in der Trainingsarbeit und dass man eher auf Mannschaftsgeist setzte als auf individuelle Einzelspieler. So hatte man am Ende des Ziels eine funktionierendes Mannschaftsgefüge, in dem sogar der Ausfall Samy Khediras eine Viertelstunde vor Anpfiff des Endspiels 2014 gegen Argentinien ohne Probleme kompensiert werden konnte – die Maschine Nationalelf funktionierte auch mit dem dafür eingesetzten Christoph Kramer.

Das Bayern-Gen trug Deutschland auf einer Welle bis zum Titel

Der Teamgeist, der Wille und die Einsatzbereitschaft sind in erster Linie entscheidend für den Erfolg und es war auf keinen Fall ein Fehler, mit Lahm, Schweinsteiger, Neuer, Müller, Kroos oder Boateng gleich sechs Bayern-Spieler mit dem eingebauten “Bayern-Gen” in der finalen Startelf zu haben. Hummels, Höwedes, Klose oder Özil sowie der oben genannte Kramer haben die richtige Einstellung auf dem Platz gezeigt und wurden auch einfach hervorragend vom gesamten Trainerteam vorbereitet. Der “Bundes-Jogi” musste am Ende an den richtigen Stellschrauben drehen und sukzessive im Rahmen der gesamten Weltmeisterschaft am Feintuning arbeiten, damit sich nach dem 1:0 in der 113. Minute der Verlängerung durch Bayern-Joker Mario Götze alle in den Armen liegen konnten.

Joachim Löw zwischen Pflichterfüllung und Rücktritt

Macht Joachim Löw als Bundestrainer weiter? Das wird eine interessante Frage, die sich nach Betrachten der schwarz-rot-gold angestrahlten Christus-Statue auf dem Gipfel des Corcovado zurecht stellen wird. In der Definition vier sollte man auf dem Gipfel des Erfolges abtreten, nur so bleibt man quasi untersterblich und allen in Erinnerung als Weltmeister-Trainer. Andererseits will er vielleicht auch die Früchte seiner Saat weiter ernten und die Mannschaft zum EM-Titel 2016 führen und danach erwarten alle wieder den Titel 2018 in Russland. Theoretisch könnte er bis Katar 2022 weitermachen, aber die nächsten Aufgaben werden nicht einfacher und einige Diskussionen – ob zu Unrecht oder nicht – gab es ja auch schon in seiner jetzigen Amtszeit. Internationale Aufgaben und lukrative Verträge mit täglicher Trainingsarbeit stehen gegen die Job-Garantie beim DFB.

Die Tendenz, es Jürgen Klinsmann gleichzutun könnte ihm niemand übelnehmen.  

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