Primera Division zum Tode verurteilt?

Die spanische Liga gehört zu den besten der Welt. Deshalb muss sie aber nicht die attraktivste sein. Der Finanzexperte Gay Liebana sieht eine Liga mit nur zwei Meisterschaftskandidaten zum Scheitern verurteilt, weil sie ihren Reiz verliert. Außerdem ist nach den Angaben des Ökonomen die Schuldenspirale außer Kontrolle.

Die Situation ist aus anderen Sportarten bekannt. Formel 1 Nachrichten beschwerten sich über die abnehmende Attraktivität der Rennklasse aufgrund der deutlichen Dominanz von Michael Schumacher zu seiner besten Zeit bei Ferrari. Auch als Roger Federer die Tenniswelt klar beherrschte, verlor der Sport an Reiz, weil der Sieger oft vor den Match so gut wie feststand.

Die spanische Primera Division steht vor einem ähnlichen Problem. Außer dem FC Barcelona und Real Madrid spielt hier niemand um die Meisterschaft mit. Zum Teil haben die beiden Teams einen unaufholbaren Abstand auf den dritten Platz in der Tabelle. Seit 2004, als der FC Valencia den Titel holte, hieß der Meister stets Barca oder Real. Wirtschaftsprofessor Jose Maria Gay Liebana glaubt im Gespräch mit „Goal.com“, dass diese Überdominanz negativ auf die gesamte Liga auswirkt.

„In Spanien beenden die ersten Beiden 40 Punkte vor dem Dritten die Saison. Für mich spielen Real Madrid und Barcelona deswegen in einer Liga, die zum Tode verurteilt ist und an der man jegliches Interesse verlieren wird“, so der Ökonom. Das „brutale Ungleichgewicht“ bei den Spielergehältern werde diesen Zustand auch nicht so schnell ändern.

Auch die Verteilung der Fernsehgelder ist eines der Gründe für die Vorherrschaft der Katalanen und der Madrilenen. Beide Klubs haben zum Schaden der restlichen Vereine, lukrative Deals um die TV-Rechte ausgehandelt. Damit steht ihnen jährlich wesentlich mehr Finanzkraft, als ihren Ligakonkurrenten zur Verfügung. „Diese Disbalance ist brutal, zwei Teams bekommen 50 Prozent des verfügbaren Geldes. Real und Barca sind zudem universelle Marken, denen sich durch die weitläufige Vermarktung auch ausländische Märkte öffnen“, erklärte Liebana den Sportnachrichten von „Goal.com“. Deshalb kann Barca und Real Gehälter zahlen, die sonst nur bei Scheich-Klubs verdient werden können.

In Bezug auf den „Clasico“ am Wochenende sieht der Ökonom hier ein zweischneidiges Schwert. „Zum einen denke ich, dass das Duell zwischen beiden La Liga sehr aufwertet, weil hier zwei Giganten von europäischem und Weltniveau aufeinandertreffen. Aber zur gleichen Zeit ist das ein reiner Zweikampf, der andere Vereine ausschließt. Wir wissen, dass die nächste Meisterschaft von Barcelona oder Madrid gewonnen wird, und auch der folgende Titel an einen der beiden geht. Das kann die Ambitionen und Vorsätze der anderen Teams frustrieren und langfristig abtöten – wir töten die Henne, die uns goldene Eier gelegt hat.“

Betrachtet man den Finanzstatus bei den restlichen Klubs, sieht Liebana auf lange Sicht schwarz, weil die Schuldenspirale in der spanischen Liga außer Kontrolle geraten ist. „Primera-Division-Vereine haben 3.596 Milliarden Euro an Schulden – und werden nie in der Lage sein, das abzubezahlen.“

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